Öffentliches Schulangebot stärken

Zur Diskussion um die Gründung einer Schule für „abrahamische Religionen“ (hier: katholisch, muslimisch, jüdisch) in Trägerschaft der Schulstiftung in der Diözese Osnabrück nimmt der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Ulrich Hus, sowie die schulpolitischen Sprecher Marion Fiolka-Dörpmund und Paul Meimberg, wie folgt Stellung:

1. Die katholische Kirche bzw. Stiftung will in Osnabrück eine Schule in freier Trägerschaft einrichten. Dies bedeutet, kurz gesagt, die Errichtung einer Privatschule auf der Grundschulebene. Diese Privatschule soll sich in die Osnabrücker Schullandschaft dadurch besser einfügen, dass sie geöffnet wird für katholische Christen, Muslime und Angehörige der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Die SPD-Fraktion begrüßt die Öffnung der katholischen Kirche und hält dies für einen Schritt in die richtige Richtung. Gleichwohl greift das vorgelegte Papier zu kurz, denn es grenzt gleichzeitig aus.

2. Es ist keineswegs eine Erfindung der katholischen Kirche, Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Konfessionen und Glaubensrichtungen unter einem Dach zu unterrichten und ihnen somit Toleranz gegenüber Andersgläubigen zu vermitteln. Dies wird in Osnabrück bereits an vielen öffentlichen Grundschulen tagtäglich praktiziert. An den öffentlichen Osnabrücker Grundschulen wird kein Kind aufgrund seiner Konfession ausgegrenzt. Es ist vielmehr der Auftrag des öffentlichen Schulwesens, alle Kinder aufzunehmen und deren Religionszugehörigkeit keinesfalls als irgendein Hindernis anzusehen. Neu ist an dem vorgelegten Papier lediglich, dass sich nun auch die katholische Kirche dies zu eigen macht, und das freut uns sehr. Es wäre ganz wunderbar, würden die in dem „Konzept“ angesprochenen Vertreter ihre Unterstützung und die ihrer Gemeinden für das öffentliche Schulwesen in dieser Weise anbieten.

3. In dem vorgelegten Papier wird erklärt, dass die Privatschule insbesondere „bildungsferne“ Familien ansprechen soll. Wie dies umgesetzt werden soll und mit wem die Kirchenvertreter hier sprechen wollen, bleibt ungeklärt. Ebenso wie viele weitere Fragen nicht gestellt, nicht beantwortet werden. Daher handelt es sich hier auch nur um ein Papier, welches weit entfernt ist von dem Begriff „Konzept“.

4. Selbstverständlich fallen beim Betrieb dieser Privatschule Kosten an. Hier erklärt die katholische Kirche, sie werde auf ein Schulgeld, welches durch die Familien der Schülerinnen und Schüler zu entrichten ist, nur dann verzichten, wenn: a) die Stadt Osnabrück das Gebäude kostenfrei zur Verfügung stellt, b) die Stadt Osnabrück das übliche Schulgeld pro Schüler bezahlt und die Sachkosten trägt und c) das Land Niedersachsen von Anfang an die Lehrerstellen finanziert. Gleichzeitig erklärt der Unterzeichner, dass diese Schule selbstverständlich nur als Ganztagsschule funktionieren wird. Für unsere Begriffe, ein bisschen viel auf einmal. Warum nur sollte denn aus knappen öffentlichen, ja städtischen Mitteln eine Privatschule der katholischen Kirche finanziert werden? Die Mittel für die öffentlichen Schulen in Osnabrück sind schon knapp genug. Und noch eine Bemerkung zu Ganztagsangeboten: Selbstverständlich funktionieren integrative Schulkonzepte am besten bei Ganztagsbetrieb. Leider nur wird dies schon seit geraumer Zeit auf Landesebene durch die CDU-FDP-Landesregierung aus Kostengründen nicht genehmigt. Weiß das der Papierunterzeichner nicht oder passt es einfach nicht ins Bild?

5. Die SPD-Fraktion hat sich immer für ein wohnortnahes Schulangebot ausgesprochen und will auch weiterhin an den Schulbezirken im Grundschulbereich festhalten. Das Prinzip „Kurze Wege für kurze Beine“ halten wir für richtig und lehnen einen Schultourismus im Grundschulbereich ab.

6. Wir stellen fest: Die katholische Kirche „bewegt sich doch“. Das erkennen wir an. Für eine private Grundschule in Osnabrück ist dies aus unserer Sicht aber noch lange nicht ausreichend. Die SPD-Fraktion bekennt sich zum Vorrang des öffentlichen Schulwesens und seiner weltoffenen Ausrichtung. Wir setzen uns ein für eine Schule, an der junge Menschen aller unterschiedlichen Konfessionen, aber auch solche ohne Glaubensausrichtung, im gegenseitigen Respekt miteinander leben und lernen – und gehen somit über den Ansatz der Schulstiftung im Bistum Osnabrück hinaus.

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