Sozialdemokraten gedenken auch Opfern aus den eigenen Reihen. – 20. Juli: Osnabrücker SPD setzt Zeichen für Opfer der „Aktion Gewitter“

Das öffentliche Gedenken an den 20. Juli 1944 wird die Osnabrücker SPD dazu nutzen, auch an Opfer aus den eigenen Reihen zu erinnern, die im Zuge der  sogenannten „Aktion Gewitter“ (bzw. „Gitter“) von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Frank Henning, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, begründete die Aktivitäten, die auch mit einer eigenen Kranzniederlegung als Zeichen für Solidarität mit den Opfern ihren Ausdruck finden soll: „Nicht nur vorbildlich couragierte Wehrmachtsoffiziere starben. Klar muss sein, dass insbesondere die Arbeiterbewegung die mit Abstand höchsten Opferzahlen unter all denen erbracht hat, die sich von Beginn an aktiv gegen die Nazis auflehnten. Dies belegen allein schon die Geschehnisse in Osnabrück.“

Aus den überlieferten Gestapo-Unterlagen geht hervor, dass im Zuständigkeitsbereich der hiesigen Osnabrücker Gestapo nach dem 20.7.44 insgesamt 52 Männer festgenommen worden sind. Von ihnen seien 39 zur SPD, 3 zur KPD und 10 zu den Gewerkschaften gezählt worden. Bekannt ist, dass die SPD-Funktionäre Heinrich Groos, Heinrich Niedergesäß, Wilhelm Mentup und Fritz Szalinski zunächst im Gestapo-Gefängnis des Schlosses, danach im Arbeitserziehungslager Ohrbeck eingesperrt wurden. Später wurden sie ins Konzentrationslager Neuengamme verschleppt. Dort kamen Groos und Szalinski um. Niedergesäß und Mentrup starben gemäß heutiger Erkenntnisse auf der „Kap Arcona“, als dieses mit Häftlingen vollbeladene Schiff bewusst einem Luftangriff bei Kriegsende in der Lübecker Bucht ausgeliefert wurde. An die vier so ermordeten Sozialdemokraten und Gewerkschafter erinnern mittlerweile die bekannten Stolpersteine, die im Fußweg vor dem ehemaligen Osnabrücker Gewerkschaftshaus am Kollegienwall eingelassen wurden.

Alice Graschtat, stellvertretende Osnabrücker SPD-Vorsitzende, kündigte an, dass ihre Partei die Aktivitäten zum 20. Juli nun regelmäßig nutzen wolle, um ein Zeichen auch für die eigenen Opfer aus dem Widerstand gegen Hitler-Deutschland zu setzen. Und zugleich an die heutige Generation zu appellieren, sich im Sinne der Opfer couragiert für Demokratie, Gerechtigkeit und Toleranz einzusetzen.“

Fragen zu diesem Artikel

Bei Fragen und Anregungen zu diesem Artikel können Sie hier mit uns in Kontakt treten.
  • Damit wir Ihnen antworten können, benötigen wir Ihre E-Mail-Adresse.
  • Bitte teilen Sie uns hier Ihre Anregungen und Fragen zum Artikel mit.
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.