Obdachlosigkeit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (SPD-Fraktion)

Folgt man einigen öffentlichen Darstellungen (Beitrag in der Zeitung „Ultimo“ 6/10, „Down & Out
in Münster“, ferner im Internet unter den Adressen
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2007/01/05/a0069,
http://armut-deutschland.suite101.de/article.cfm/strassenkinder_in_deutschland
http://www.kinderschutzbund-nrw.de/2_6_5.htm ),
dann kommt dem Problem obdachloser Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener eine
wachsende Bedeutung zu. Die Zahlen nehmen beispielsweise laut Aussagen des Kinderschutzbundes
und auch seitens des Kinderhilfswerks terre des hommes deutlich zu. Offenbar geht
man derzeit von bundesweit ca. 7.000 Betroffenen aus.

Wir fragen die Verwaltung:

1. Sind der Verwaltung auch in Osnabrück obdachlose Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
bekannt, falls ja: Um wie viele Personen handelt es sich?

2. Welche Unterstützungs- bzw. Hilfsangebote gibt es vor Ort für diesen Personenkreis?

3. Welche sonstigen Unterstützungs- bzw. Hilfsangebote haben sich in anderen Städten als
effiziente Hilfen bewährt?

Die Anfrage wird wie folgt beantwortet:

Zu 1:

Kinder und Jugendliche junge Erwachsene
Keine Kinder und vier Jugendliche in 2009
sowie zwei im 1. Halbjahr 2010 in Osnabrück
sind der Verwaltung bekannt, die nicht
über (mietvertraglichen) gesicherten Wohnraum
verfügen und bei Bekannten untergekommen
sind oder auf der Straße leben.
Hierbei handelt es sich um Jugendliche, die
akut auf ihr familiäres Unterstützungssystem
nicht (mehr) zurückgreifen können bzw. wollen,
dieses ihnen z. B. von den Sorgeberechtigten
entzogen wurde oder die die Begleitung
und Unterstützung durch die Jugendhilfe
ablehnen.
In der Regel handelt es sich hierbei um eine
vorübergehende Phase, die meist durch die
Rückkehr in die Familie oder/und Inanspruchnahme
entsprechender Jugendhilfeangebote
bzw. dem Erreichen der Volljährigkeit
beendet wird.
Der Fachbereich Soziales und Gesundheit
berichtet aus Sicht der Sozialen Wohnraumhilfe,
dass in den letzten Jahren die Tendenz
festzustellen ist, vermehrt junge Erwachsene,
die sich obdachlos melden, mit Wohnraum
versorgen zu müssen.
Im Jahr 2009 waren es 15 Einzelpersonen
zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr (elf
männlich/vier weiblich). Bei einem Paar war
die Partnerin 24 Jahre alt.
Von insgesamt 92 obdachlosen Personen
betrug der Anteil junger Erwachsener 16 %.
Von Januar bis Juli 2010 wurden neun junge
Erwachsene (sieben männlich/zwei weiblich)
untergebracht.
Von insgesamt 70 Personen betrug der Anteil
ca. 13 %.
Bei Vorsprache eines jungen Erwachsenen
wird zunächst in Abstimmung mit dem Fachbereich
für Kinder, Jugendliche und Familien
abgeklärt, ob vorrangig Jugendhilfe zu gewähren
ist.
Für die vorgenannten obdachlosen Personen
war dies nicht der Fall, so dass entweder
ordnungsbehördliche Maßnahmen der
Sozialen Wohnraumhilfe oder Sachleistungen
im Rahmen des SGB II zur
Sicherstellung einer Unterkunft erforderlich
wurden.

Zu 2:

Kinder und Jugendliche junge Erwachsene
Grundsätzlich stehen den jungen Menschen
umfangreiche und differenzierte Angebote
der öffentlichen und freien Jugendhilfe auf
der Grundlage des SGB VIII zur Verfügung.
Das beinhaltet z. B. die kontinuierliche oder
auch sporadische Beratung durch den städtischen
Sozialen Dienst, den Kinder- und Jugendnotdienst
mit der Möglichkeit der Inobhutnahme
sowie das Angebot der Übernachtungsstellen
durch den SKM – Kath. Verein
für soziale Dienste in Osnabrück e. V. rund
um die Uhr.
Insbesondere die Übernachtungsstellen im
Laurentiushaus für männliche und das Hedwig-
Haus für weibliche Jugendliche tragen
durch ihr niedrigschwelliges Angebot
wesentlich dazu bei, dass Jugendliche in
Osnabrück aufgefangen werden, bevor sie in
die Obdachlosigkeit gleiten. So wurden im
Rahmen der Inobhutnahme gemäß § 42
SGB VIII in diesen Einrichtungen im
Jahr 2009 zehn Jugendliche und im 1. Halbjahr
2010 vier Jugendliche betreut.
Der hier genannte Personenkreis (und auch
alle anderen Obdachlosen) sind eingebunden
in das in Osnabrück vorhandene und gut
ausgebaute Netzwerk sozialer Einrichtungen.
Die Problemlagen sind vielfältig und
zum Teil multikausal. Oft handelt es sich um
Suchtproblematiken und/oder Straffälligkeit.
Zur Konfliktlösung stehen entsprechende
Beratungsangebote zur Verfügung.
Wirtschaftlich abgesichert ist der Personenkreis
in aller Regel durch Leistungen der
Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II).
Die Situation ist besonders dadurch gekennzeichnet,
dass diese jungen Erwachsenen
nicht dauerhaft in Osnabrück verbleiben,
sondern auf Grund von Aufnahmen in Therapieeinrichtungen
oder aus anderen Gründen
den Wohnsitz wechseln.

Zu 3:

Kinder und Jugendliche junge Erwachsene
Nach hiesiger Kenntnis ist das Angebot für
diese Zielgruppe im Vergleich mit gleich großen
Städten als qualitativ wie quantitativ positiv
zu bewerten. Große Städte bieten bei
entsprechender Bedarfslage und Handlungsnotwendigkeit
weitere Hilfsmodelle
(z. B. im Rahmen einer aufsuchenden Sozialarbeit
durch Streetworker oder spezifischen
Anlaufstellen in Form von Teestuben
mit Verpflegungs- und Waschmöglichkeiten)
an.
Die Unterstützungs- und Hilfsangebote anderer
Städte werden auf Grund der gesetzlich
vorgegebenen Rahmenvorschriften ähnlich
sein.
Die Intensität der jeweiligen Betreuung richtet
sich nach den Notwendigkeiten des Einzelfalles
und der Bereitschaft der/des Betroffenen,
diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen.

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