Anpassung der Ausbaustandards von Schulgebäuden

Sachverhalt:

Für die Instandhaltung und den Ausbau der Schulgebäude in Osnabrück sind zum einen in der mittelfristigen Finanzplanung in den nächsten Jahren viele Millionen Euro veranschlagt, zum anderen wird der Ausbau dennoch noch viele Jahre dauern, da die Mittel der Stadt Osnabrück begrenzt sind.

Um die zwingend erforderlichen Arbeiten zeitnaher bewältigen zu können und sich flexibler auf die sich veränderten Schülerzahlen anzupassen, ist es unter Umständen sinnvoll, andere Baukonzepte bzw. -standards, die im Einflussbereich der Stadt Osnabrück sind, zu etablieren. Dies könnte sowohl Kosten senken und eine beschleunigte Erneuerung der Schulgebäude ermöglichen, als auch einen immer wiederkehrenden Rückgriff auf Schulcontainer verringern.

Wir fragen in diesem Zusammenhang die Verwaltung:

1. Ist es aus Sicht der Verwaltung sinnvoll, die Baukonzepte bzw. standards für Schulgebäude anzupassen, um Zeit und Kosten zu sparen und darüberhinaus flexibel auf sich verändernde Schülerzahlen zu reagieren?

2. Welche konkreten Ausbaustandards  können von der Stadt beeinflusst werden, welche können aus Sicht der Verwaltung sinnvollerweise angepasst werden?

3. Ist eine Kostensenkung durch diese Vorgehensweise zu erwarten, wenn ja, in welcher ungefähren Höhe, wie verändern sich die Gebäudelebenszykluskosten?

gez. Dr. Jens Martin

 

 

1.Ist es aus Sicht der Verwaltung sinnvoll, die Baukonzepte bzw. Standards für Schulgebäude anzupassen, um Zeit und Kosten zu sparen und darüber hinaus flexibel auf sich verändernde Schülerzahlen zu reagieren.

In den 1970er Jahren wurden viele Schulgebäude aus Betonfertigteilen mit vorgefertigten Ausbauelementen errichtet. In den darauffolgenden Jahren war die Tendenz zur Vorfertigung und zum Systembau rückläufig und Schulgebäude wurden wieder „konventionell“ in massiver Bauweise errichtet.

In den letzten Jahren wurden wieder vermehrt Modulsysteme entwickelt, die auch im Schulbau eingesetzt werden können.

Viele der Modul- oder Containerschulen sind für eine temporäre Nutzung ausgelegt, sie entsprechen nicht den Anforderungen an eine dauerhafte Nutzung. (Schallschutz, Wärmeschutz, Raumhöhen, Behaglichkeit etc.) Diese Systeme sind vielfach ausgelegt für eine eingeschossige Nutzung, bei einer Mehrgeschossigkeit sind diese an die notwendigen Brandschutzforderungen und baurechtlichen Anforderungen  anzupassen.

Ein wesentlicher Vorteil von vorgefertigten Systemen ist die kurze Bauzeit, die zu erwartenden Kosten liegen geringfügig höher, als bei einer vergleichbaren konventionellen Ausführung.

 

2.Welche konkreten Ausbaustandards können von der Stadt beeinflusst werden, welche können aus Sicht der Verwaltung sinnvollerweise angepasst werden?

Die Ausbaustandards können von der Stadt nur unwesentlich beeinflusst werden. Das Raumprogramm für die einzelnen Schulformen ist größtenteils festgeschrieben (Schulbaurichtlinie/Musterraumprogramm). Dort werden die Raumgrößen, Höhen festgelegt, die technische Ausstattung richtet sich nach den entsprechenden DIN-Normen. Die Qualitäten der Ausführung/Oberflächen können beeinflusst werden, jedoch führen Einsparungen in der Qualität oftmals zu deutlich höheren Kosten im Bauunterhalt  (z.B. Klinkerfassade/Wärmedämmverbundsystem oder Innenwände aus Gipskarton/massive Ausführung Vorgabe Passivhausstandard oberhalb gesetzlicher EnEV Forderung).

Die derzeitigen Ausbaustandards können nicht weiter reduziert werden ohne eine deutliche Reduzierung der Bauwerksqualität.

 

3.Ist eine Kostensenkung durch diese Vorgehensweise zu erwarten, wenn ja, in welcher ungefähren Höhe, wie verändern sich die Gebäudelebenszykluskosten?

Eine Kostensenkung durch die Verwendung von vorgefertigten Systemen ist nicht zu erwarten. Die Kosten liegen ca. 6 % über konventionell errichteten Gebäuden. Genaue Aussagen zu den Gebäudelebenszykluskosten können derzeit noch nicht getroffen werden, sie werden aber nicht unter den Kosten für konventionell errichtete Gebäude liegen.

Der Vorteil liegt in der kurzen Bauzeit  (systemabhängig ca. 6 Monate) und der Möglichkeit auf sich verändernde Schülerzahlen kurzfristig reagieren zu können. Insbesondere bei der anstehenden Umstellung des Abiturs von G8 auf G9 könnten vorgefertigte Gebäude helfen, einen kurzfristig entstehenden Raumbedarf abzufedern. Sollte ein Raumbedarf am Standort nicht mehr bestehen, so könnten die Klassenräume demontiert und an einem anderen Standort wieder errichtet werden.

In den Städten Frankfurt und Trier wurden/werden aktuell Schulen in Holzrahmenbau errichtet, es handelt sich um architektonisch anspruchsvolle und sehr hochwertige Gebäude.

In der Anlage 1 wurden Kosten für verschiedene Systemvarianten ermittelt. Die Kosten orientieren sich an einem Ersatzneubau für einen Klassentrakt mit 12 Klassenräumen ohne Differenzierungsräume und ohne Verwaltungstrakt (BGF 1350 m²)

Variante 1 Mietcontainer aus Stahl*

Errichtung und Miete für 24 MonateBrutto ca. 860.000,00 €

Variante 2 Kauf von Stahlcontainern*

Inkl. einmaligem AufbauBrutto ca. 1.750.000,00 €

Der Kauf von Mobilcontainern amortisiert sich nach einer Mietdauer von ca. 49 Monaten

Variante 3 Kauf Holzmodulschule aus Holztafelbau (wieder demontierbar)

Inkl. einmaligem AufbauBrutto ca. 2.650.000,00 €

Vergleichspreis konventioneller Schulbau (GS Sutthausen)

Kostenansatz 1.350 €/m²Brutto ca. 2.500.000,00 €

 

*nicht für dauerhafte Nutzung ausgelegt

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