Keine Denkverbote bei der konzeptionellen Weiterentwicklung der Villa Schlikker

Villa Schlikker Bild: SPD-Fraktion Osnabrück

SPD: ´Stille Helden´ des Widerstands nicht vergessen 

„Das Museumsquartier stellt ein bedeutendes Element für die kulturelle Identität unserer Stadt dar und ist spätestens mit dem Bau des Felix-Nussbaum-Hauses zu einem Standort für wirkliche Erinnerungskultur geworden. Die bauliche und konzeptionelle Weiterentwicklung der Villa Schlikker wird aktuell diesen Entwicklungsprozess bereichern und mitprägen. Der SPD-Ratsfraktion ist es dabei wichtig, dass die inhaltlich-konzeptionelle Ausgestaltung des Hauses aber nicht von vornherein mit Denkverboten belegt wird,“ so Frank Henning, SPD-Fraktionsvorsitzender, und Heiko Schlatermund, kulturpolitischer Sprecher der Rats-SPD.

„Ziel der SPD-Fraktion bei der Gestaltung der Villa Schlikker hin zu einem Haus des Friedens ist es, dass Hans Calmeyer hier die zentrale Rolle einnimmt. Dennoch kann man eine historische Betrachtung und Aufarbeitung des deutschen Widerstands gegen das Hitler-Regime nicht allein an der Rolle und dem Handeln Calmeyers festmachen“, führt Schlatermund weiter aus. „Daneben gab es zahlreiche ´Stille Helden´ aus der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiterbewegung, dem jüdischen und christlichen Widerstand, dem der Weißen Rose oder bspw. auch schlicht dem junger Leute im Berlin der dreißiger Jahre und auch in Osnabrück“, so Frank Henning weiter.

Dass nun ausgerechnet nach den jüngsten Ratsbeschlüssen, die Weiterentwicklung des Standortes sowohl bautechnisch, planerisch und personell massiv voranzubringen, von einer „Provinzposse“ im Umgang mit dem Verfahren zur konzeptionellen Entwicklung des Gebäudes gesprochen werde, kritisiert Schlatermund vehement. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass ein noch vor wenigen Tagen geführtes Gespräch zwischen Vertretern von SPD und Grünen mit dem Vorstand der Remarque-Gesellschaft zu einer sachlichen und vor allem respektvolleren Vorgehensweise „in einer für die Erinnerungskultur in dieser Stadt gebotenen Weise,“ führen sollte. Hierzu haben wir gerade die wichtige Rolle der Remarque-Gesellschaft betont und positiv gewertet, so der SPD Vertreter. „An dieser sachbetonten Debatte werden wir festhalten und die Ergebnisse aus den Beratungen des wissenschaftlichen Beirates im Kulturausschuss Anfang 2020 diskutieren“, hebt Schlatermund hervor. Im übrigen: „Für die SPD-Fraktion ist klar, dass der Widerstand vielfältig und aus unterschiedlichen Schichten und Strömungen kam. Ein Haus einzig und allein zum Gedenken an Hans Calmeyer greift zu kurz. Wir sollten vielmehr beides tun: das Wirken und die Verdienste Hans Calmeyers würdigen, ohne die anderen ´stillen Helden´ zu vergessen. Dies könnte vielleicht in einem möglichen ´Haus des Friedens´ oder ‚Haus des Widerstandes’ geschehen und das wird die weitere Debatte bestimmen“, so Henning und Schlatermund abschließend. Der vom Sprecher der Stadt geäußerten Position, „besser früher zu viel denken, um nicht später zu viel bedauern zu müssen“, könne man daher nur beipflichten.

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